GESCHICHTE Stand um 1930

 

 

Die Besiedlung dieser Gegend geht weit zurück in die vorgeschichtliche Zeit, denn die abwechslungsreiche Wald-, Wasser-, Heide- und Moorlandschaft des heutigen Naturparks Aukrug bildeten den idealen Lebensraum  für Mensch und Tier.
Zeugen dieser frühen Epoche sind umfangreiche Funde aus der Stein- und Bronzezeit und  große Zahl der Hünengräber, von denen noch einige erhalten sind.  .
.
 Hügelgrab aus der Steinzeit

 

Ursprünglich waren die ersten Dörfer wie kleine Oasen im Urwald, der überwiegend aus Laubbäumen oder Mischwald bestand. Um eine gemeinsame Wiese und einem Bach in der Dorfmitte herum waren die Höfe angeordnet, dann die Äcker und zum Waldrand die Weiden. Die Schweine wurden zur Mast (Eicheln und Bucheckern) in den Wald getrieben. Das Feld war gemeinschaftliches Eigentum (Allmende) freier Bauern.

.

1149 wird ein Holsteinischer Adliger Rottmar von Hanstide in dieser Gegend genannt. Am Dorfrand im Nord-Westen (Dellenberg) wurden Spuren eines uralten Baues gefunden. Dieses war sicherlich die Feste und der Adelssitz von Rotmar von Hennstide. Er wird als Namensgeber für Hennstedt angenommen.

.

Das Bauerntum war so lange frei gewesen, bis die Klöster zum Teil schon im 14. Jahrhundert - mit Frömmigkeit - und der Adel im 16. Jahrhundert - mit dem Schwert - sich der Landwirtschaft zu wandten und  sie in andere Bahnen lenkte. 

1388 verkaufte Marquard von Kampen und 

1408 Metta von Ruhmor einige Zehnten an das Kloster Itzehoe, Vogtei Hennstedt. 

1448 war Hans Pogwisch im Besitz des Dorfes und verkaufte 11 1/2 Hufe an das Kloster.

 

 

HUFE waren geografisch individuelle Flächenmaße, d.h. sie richteten sich nach der Qualität des Bodens. Eine Hufe sollte so groß sein, dass der Hufner und seine Familie davon leben konnten (ca. 16 ha). So war auch PFLÜGE eine variable  Fläche, die ein Ochse vor dem Pflug pro Zeiteinheit schaffte. 

Feste Flächenmaße kamen später wie 1 Hektar = 10 000 m² = 2 Tonnen = 4 Morgen.

.

Eine Vollhufe mit Kate und Land, die zur Herrschaft Breitenburg gehörte, hatte die Verpflichtung, den durchreisenden Hofbedienten freie Nachtlager zu geben.

.

Um 1800 schreibt ein Chronist:  Hennstedt ist ein Ort mit verwahrlosten Wäldern und Feldern. Die handvoll Dörfler ernährten sich hauptsächlich vom Vorspannen ihrer Pferde vor die Postkutschen, die aufgrund der zentralen Lage des Ortes hier passierten, und geleiteten sie ortskundig durch die "Wildnis". 
Erst um 1850 begann man mit der Urbarmachung der Wälder
.

Die Klöster und der Adel hatten die Macht und die Hoheitsrechte. Seit der Reformation wurde es weniger. Das Kloster Itzehoe wurde 1541 evangelisch. Die katholische Kirche hatte zuvor das Kloster zu einem Stift (landläufig  'Versorgungsanstalt' genannt) für die unverheirateten adligen Töchter und Witwen  gemacht. Eine gute Einrichtung, die noch heute besteht.

Bis ins 15. Jahrhundert waren die Bauern nur Hörige oder unfrei gewesen. Durch die vielen Kriege waren die Abgaben und Lasten so groß geworden, dass die Bauern vielfach davon liefen und die Höfe brach liegen ließen, die ihnen auf Lebzeiten übertragen worden waren. 

Das Schlimmste war die Belehnung, die der Bauer zu bezahlen hatte. Übergab der Vater den Hof zur Bewirtschaftung an seinen Sohn, so musste dieser ‚budeelen‘, das heißt, er musste Inventar und Vieh mit seinem Grundherrn teilen. Der Bauer hatte kein Eigentumsrecht an Hof und Inventar. Der Grundherr lieh dem Sohn die erste Aussaat. Nach der Ernte musste er aber die doppelte Menge wieder zurückzahlen. 

Für jedes Tier, das aufgezogen wurde, musste eine Abgabe geleistet werden, sogar vom Federvieh. Wenn ein Rind geschlachtet wurde, musste das Fell abgeliefert werden, ebenso wie Eier Butter und Honig und für jeden Faden Holz etwas. Beim Gespanneinsätzen und Wegebau (Intraden) musste geholfen werden. Dabei gingen häufig 2 Tage in der Woche verloren, dass der Bauer in der Ernte sein eigenes Korn nicht nach Hause bekam.   

 

Im 17. Jahrhundert wurde es besser und die Lasten weniger. Der Hof ging in Erbpacht über und nach gewissen Jahren wurde er Eigentum. Einige Lasten sind aber lange bis 18-hundert in den Siebzigern geblieben wie Kälbergeld, Schweinegeld, Hühnergeld, Holzhauer Geld und Intraden und Kanon. Die Klostervögte und Dingvögte, die einen großen Bezirk hatten zum Beaufsichtigen der Bauernhöfe, wurden kräftig ‚beschmust‘ (bestochen).

 

.

.

So wurde 1805 den 'Untergehörigen befohlen', wann und wie sie künftig ihre Steuer zu bezahlen hatten:

 

Unter Preußischer Verwaltung wurden diese Steuern 1867 abgeschafft.

Ebenfalls wurden nach 1867 die Ländereien vermessen und  ein Katasteramt eingeführt. Die Äcker bekamen Knicks und die Weiden Gräben als Grenzen. 

 

Auch erhielten die Dörfer  gusseiserne Ortsschilder .

Heute ist es am Hotel ' Seelust' angebracht.

 

Die einzelnen Ländereien heißen hier: Sattelkamp, Stilkerkamp, Höhenkamp, Gerenkamp, Saalfiert, Saalkamp,  Heischkamp, Borstelkamp und Dellenkamp Die.Hölzungen heißen: Rehagen, Schafhorst, Sturmshorn, Ramsyran, Gründe u.s.w. Einzelne Anhöhen heißen: Dellenberg, Bruunsteen und Stilker.

 

Eine Außenbauerstelle heißt Kamerun. Früher wurde das Ding hier abgehalten.

Auf dem Erbhof Gripp war vormals eine Brennerei und eine Essigbrauerei.

Hennstedt hat 24 Bauern und Halbbauern und  

.

eine Schule,
eine Kirche  mit Pastorat und Friedhof,

 

 

eine Wirtschaft

einen Bäcker

 

einen Kaufmannsladen

.

 eine Meierei, die 1890 erbaut wurde. (jährl. Umsatz 1 Mio. Liter mit 3,25% Fettgehalt - auch Wiedendenborstel liefert hier her)

 

einen Schuster und ein Ehrenmal

Ferner eine Schmiede, zwei Höker, zwei Maler, einen Sattler, Schlosser, Barbier, Rademacher, Zimmermann, Schneider und eine Schäferei.

.

Südlich des Dorfes, am Rande der Breitenburger Hölzung war eine Ziegelei.  Aus den Steinen der Ziegelei ist die Todenbüttler Kirche in den Jahren 1861- 63 erbaut worden. 

Danach beutete eine Mergelgenossenschaft den Boden aus, die den Boden mittels Kleinbahn in einen Umkreis von 15 km lieferte. Dadurch wurden die Ländereien in bessere Kultur gebracht und Öd- und Heide durch Urbarmachung nutzbar.

200 000 cm Mergel mit 25 - 40 % Kalkgehalt wurde mit einem Bagger gewonnen. Die Kosten dafür wurden durch eine Anleihe von 1 070 000 Mark bestritten und nachher auf die einzelnen Abnehmer nach der entnommenen Menge umgelegt. Die Genossenschaft nannte sich 'Mergelverband für Brokstedt und Umgebung'. 

1923 wurde der Verband aufgelöst und die Schuldner zahlten die Anleihe vor der Währungsreform zurück. Kurs von der „Mark“ (M) auf die „Rentenmark“ (RM) im November 1923 mit 1.000.000.000.000 M = 1 RM

Dann ist dort ein Pensionshaus, genannt 'Seelust' eingerichtet worden. Die Tongruben sind voll Wasser gelaufen und werden zum Baden und Rudern genutzt. Schöne Terrassen am Wasser sind ein idealer Ausflugsort. 

Später wurde es an ein Arbeitsmaidenlager verpachtet.